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Was sage ich beim Hausarzt, wenn es mir psychisch schlecht geht?

Manchmal merkt man nur: Es geht so nicht weiter. Vielleicht schläfst du schlecht, bist dauernd angespannt, leer, traurig, gereizt oder völlig überfordert. Vielleicht weißt du gar nicht genau, ob das „schlimm genug“ ist. Genau dann kann die Hausarztpraxis ein erster Schritt sein.

Du musst dort nicht perfekt erklären können, was los ist. Es reicht, wenn du ehrlich sagst, dass es dir psychisch nicht gut geht und du Hilfe bei der Einordnung brauchst.

Du musst keine Diagnose mitbringen

Viele Menschen warten zu lange, weil sie denken: „Ich weiß ja gar nicht, was ich habe.“ Aber dafür ist ein erstes Gespräch da. Du musst nicht sagen können, ob es Depression, Angst, Erschöpfung, Panik oder etwas anderes ist.

Du kannst einfach beschreiben, was du im Alltag merkst:

Ich schlafe kaum noch.

Ich komme morgens kaum hoch.

Ich bin ständig angespannt.

Ich ziehe mich von allen zurück.

Ich schaffe Arbeit, Schule, Ausbildung oder Haushalt kaum noch.

Ich weine viel oder fühle gar nichts mehr.

Ich habe Angst, Panik oder dauernd Druck im Kopf.

Ich merke, dass ich so nicht weitermachen kann.

Das sind keine fertigen Diagnosen. Es sind Beobachtungen. Und Beobachtungen reichen für den Anfang.

Ein kurzer Satz reicht

Wenn du Angst hast, im Gespräch den Faden zu verlieren, kannst du dir vorher einen Satz aufschreiben. Zum Beispiel:

„Mir geht es psychisch seit einiger Zeit schlecht. Ich weiß nicht genau, was los ist, aber ich brauche Hilfe bei der Einschätzung.“

Oder noch kürzer:

„Ich komme gerade nicht mehr gut klar und möchte über meine psychische Belastung sprechen.“

Oder, wenn du sehr überfordert bist:

„Ich weiß nicht, wie ich anfangen soll. Können Sie mir bitte ein paar Fragen stellen?“

Du darfst den Satz auch vom Handy ablesen oder auf Papier mitbringen.

Was du vorher notieren kannst

Du musst keinen langen Bericht schreiben. Drei bis fünf Stichpunkte reichen:

Seit wann geht es mir so?

Was hat sich verändert?

Was schaffe ich gerade nicht mehr?

Gibt es Schlafprobleme, Panik, starke Erschöpfung oder Rückzug?

Gibt es Gedanken, mir selbst etwas anzutun?

Gerade der letzte Punkt ist wichtig. Wenn du solche Gedanken hast, solltest du es sagen, auch wenn es schwer ist. Ärztinnen und Ärzte brauchen diese Information, um einzuschätzen, welche Hilfe jetzt passend und sicher ist.

Was kann die Hausarztpraxis tun?

Die Hausarztpraxis kann ein erster Ort sein, um deine Situation einzuordnen. Dort kann besprochen werden, ob körperliche Ursachen mit abgeklärt werden sollten, welche nächsten Schritte sinnvoll sind und ob weitere Hilfe notwendig sein könnte.

Mögliche nächste Schritte können zum Beispiel sein:

ein weiterer Termin zur Klärung

eine Empfehlung für psychotherapeutische Hilfe

eine Überweisung oder ein Hinweis auf Fachstellen

der Hinweis auf Beratungsstellen

Informationen zur 116117 oder zur psychotherapeutischen Sprechstunde

bei akuter Gefahr eine sofortige Notfallabklärung

Wichtig: Nicht jede Praxis kann sofort alles lösen. Aber sie kann ein Anfang sein, damit du nicht allein sortieren musst.

Wenn du Angst hast, nicht ernst genommen zu werden

Manche Menschen sagen im Termin automatisch: „So schlimm ist es nicht.“ Auch wenn es eigentlich schlimm ist. Das passiert oft aus Scham oder Gewohnheit.

Du kannst deshalb vorher einen ehrlicheren Satz aufschreiben:

„Ich neige dazu, es herunterzuspielen. Eigentlich belastet es mich stark.“

Oder:

„Ich habe Angst, nicht ernst genommen zu werden. Deshalb fällt es mir schwer, offen zu sprechen.“

Auch das ist eine wichtige Information.

Wenn Telefonieren oder Terminmachen schwer ist

Falls schon der Anruf zu viel ist, kannst du eine kurze Nachricht vorbereiten, falls die Praxis E-Mail oder ein Kontaktformular anbietet:

„Hallo, ich möchte einen Termin vereinbaren, weil es mir psychisch seit einiger Zeit schlecht geht. Telefonieren fällt mir gerade schwer. Können Sie mir bitte einen Termin oder einen möglichen nächsten Schritt nennen?“

Wenn möglich, darf dich auch eine vertraute Person unterstützen: beim Formulieren, beim Anrufen, beim Begleiten oder beim Erinnern an wichtige Punkte.

Wann es dringend ist

Wenn du akut Angst hast, dir etwas anzutun, nicht mehr sicher bist oder eine unmittelbare Gefahr besteht, warte nicht auf einen normalen Termin. In akuter Gefahr gilt der Notruf 112.

Wenn du dringend mit jemandem sprechen musst, aber keine unmittelbare Lebensgefahr besteht, kann die TelefonSeelsorge rund um die Uhr unter 0800 1110111, 0800 1110222 oder 116 123 erreichbar sein. Dort gibt es auch Mail- und Chatangebote.

Was diese Seite nicht ist

Diese Seite stellt keine Diagnose. Sie ersetzt keine ärztliche Behandlung, keine Psychotherapie, keine Beratungsstelle und keinen Notfalldienst. Sie soll dir nur helfen, den ersten Satz zu finden und einen möglichen nächsten Schritt vorzubereiten.

Quellen und Hinweise

Was du jetzt tun kannst

  1. Einen kurzen Satz notieren.
  2. Drei bis fünf Stichpunkte vorbereiten.
  3. Bei akuter Gefahr 112 nutzen.

erstmalreden.de bietet Orientierung und Formulierungshilfe. Die Seite ersetzt keine Beratung, keine Therapie, keine Diagnose und keine Notfallhilfe.